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Die Gutachtenstudie der IB Hochschule zeigt Wirkung

12.10.2015

Verbände und Kammern einigen sich nach der Berichterstattung über die Ergebnisse der Gutachtenstudie der IB Hochschule - einschlägigen Ergebnissen unserer Studie entsprechend - auf Mindestanforderungen an Gutachten im Familienrecht.

An vier aufeinanderfolgenden Tagen wurde im Fernsehen über die Gutachtenstudie der IB Hochschule berichtet:
1. Montag, 07.09.15 im ZDF heute journal
2. Dienstag, 08.09.15. in ZDF Frontal 21
3. Mittwoch, 09.09.15 in ZDF Hallo Deutschland
4. Donnerstag, 10.09. in RTL Aktuell.

Der diesbezüglichen Pressemitteilung im ZDF-Presseportal ist hierzu folgendes zu entnehmen: “75 Prozent aller Gutachten in familienrechtlichen Streitigkeiten in Deutschland sind mangelhaft. Das ist das Ergebnis einer Studie der IB Hochschule, die dem ZDF-Magazin ‘Frontal 21’ exklusiv vorliegt (…). ‘Diese Gutachten haben gravierende Mängel bei den Testverfahren und den Methoden der Gesprächsführung. Außerdem entsprechen sie nicht dem aktuellen Forschungsstand’, erklärt Werner Leitner, Professor für Angewandte Psychologie, der für die Studie 272 Familienrechtsgutachten aus den Jahren 2013 und 2014 aus allen Bundesländern untersucht hat. Als Entscheidungsgrundlage für die Gerichte seien diese mangelhaften Gutachten überhaupt nicht geeignet. Trotzdem würden auf ihrer Grundlage vielen Eltern das Sorgerecht entzogen, ganze Familien zerrissen. ‘Mit diesen mangelhaften Gutachten verdienen die Gutachter zwar viel Geld. Auf der Strecke bleibt aber das Wohl der Familien und der Kinder’, so Werner Leitner weiter”.

Wenige Tage nach der Berichterstattung über diese Ergebnisse im Fernsehen haben sich in der darauffolgenden Woche (am 15.09.2015, wie viele Verbände bzw. Kammern auf ihren Webseiten berichteten) die auf Initiative des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) beteiligten Vertreter juristischer, psychologischer und medizinischer Fachverbändebände sowie der Bundesrechtsanwalts- und der Bundespsychotherapeutenkammer auf “Mindestanforderungen an Gutachten im Kindschaftsrecht” geeinigt.
Die wesentlichen Aspekte, “an denen sich ein Gutachten messen lassen muss”, sind demnach - den Ergebnissen bzw. Notwendigkeiten unserer Studie entsprechend:
1. Transparenz
2. Nachvollziehbarkeit
3. wissenschaftlich fundiertes Vorgehen.

Diese Einigung der seitens des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz beteiligten Verbände und Kammern war ein erster wichtiger Schritt, der zeigt, dass Forschungsergebnissen im Bereich der Angewandten Psychologie wichtige Konsequenzen durchaus zeitnah folgen können. Weitere Schritte sind nunmehr allerdings umso dringlicher.

Erziehungswissenschaftliche Fachverbände wie z.B. die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) wurden an der auf Initiative des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) zustande gekommenen Arbeitsgruppe unverständlicherweise nicht beteiligt, obwohl es bei diesen Gutachten vor allem um gerichtliche Entscheidungshilfen geht, die die bestmögliche Erziehung von Kindern und Jugendlichen sicherstellen sollen. Gerade dies ist aber ein ganz zentraler Gegenstands-, Arbeits- und Aufgabenbereich der Erziehungswissenschaft bzw. der erziehungswissenschaftlichen Forschung bzw. sollte es in besonderer Weise sein.

Beteiligte Fachverbände und Kammern waren stattdessen folgende ausschließlich juristische, psychologische und medizinische Fachverbände bzw. Kammern:
Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BAG KJPP), Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP), Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), Deutscher Anwaltverein (DAV), Deutscher Familiengerichtstag (DFGT), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs), Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), Deutscher Juristinnenbund (djb), Deutscher Richterbund (DRB), Fachverband Systemisch-Lösungsorientierter Sachverständiger im Familienrecht (FSLS), Neue Richtervereinigung (NRV).

Weiterführende Ergebnisse unserer Studie legen allerdings u.a. auch die bei dieser Thematik selbstverständlich erscheinende Forderung nahe, künftig vor allem auch erziehungswissenschaftliche Expertise nachhaltig einzubeziehen und einzufordern bzw. Erziehungswissenschaftler (m/w) und erziehungswissenschaftliche Fachverbände wie u.a. die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) in die Pflicht zu nehmen.

An der IB Hochschule wird diese notwendige Selbstverständlichkeit auch bei vielen interdisziplinär ausgerichteten Forschungsprojekten umgesetzt, bei der die Angewandte Psychologie unter anderem auch mit der Erziehungswissenschaft bzw. den psychologischen und erziehungswissenschaftlichen Nachbardisziplinen eng zusammenarbeitet und ihre Erkenntnisse an Juristinnen und Juristen weitergibt.

Ein solcher Wissens- und Erkenntnistransfer erfolgt am 08.10.2015 beispielsweise durch einen Vortrag von Prof. Dr. Trumpp und Prof. Dr. Leitner bei der mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung tätigen AG Recht der Berliner Fachrunde oder im Austausch mit dem Ministerium für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen Anhalt. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch unser internationales Forschungsprojekt zum Thema “Gelingensfaktoren für Transitionen: Interdisziplinarität und Kindeswohl” und bereits vorliegende Publikationen unserer Professoren (m/w), wie z.B. von Herrn Prof. Dr. Herbst zum Thema “Kindliche Einsamkeit”. Hierbei geht es beispielsweise um ein Phänomen, das auch bei ungerechtfertigten Inobhutnahmen in Folge stark mängelbehafteter Gutachten zur Erziehungsfähigkeit häufig in vermeidbarer Weise auftritt.

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